Mittwoch, 30. Dezember 2015

Und schon wieder geht ein Jahr

In den letzten Tagen eines Jahres ist immer die Zeit für die Jahresrückblicke. In den sozialen Netzwerken können diese meist automatisch auf Knopfdruck erstellt werden. Ob und wen das ganze dann interessiert, weiß niemand. Ich schreibe meinen kleinen Rückblick von Hand - und ich weiß natürlich auch nicht, ob er für irgend jemand von Interesse ist. Egal!

Melancholisch hat das neue Jahr begonnen und es wurde für mich zu einem der aktivsten Jahre. Ganz stark geprägt war es von meinem neuen Hobby: dem Sportklettern. Am Anfang stand nur eine Idee, dann kam ein Schnupperkurs, ein Grundlagenkurs und viel Üben. Dann ging's mit Coach sogar raus an den Fels und nun bin ich soweit, dass ich Überhänge im Vorstieg klettern kann. Auf diese Entwicklung bin ich wirklich stolz. Auch darauf, dass ich dieses sehr sportliche Hobby mit recht großem Ehrgeiz und Konsequenz betreibe. Es ist Herausforderung und Spaß zugleich. Und jeder Kletterer weiß: Man bezwingt nicht die Wand, sondern sich selbst!

Eng mit dem Klettern verbunden war aber noch vieles andere. So lernte ich in kurzer Zeit viele neue Menschen kennen, allen voran meine Kletterpartnerin Moni. Dass wir uns im Kurs kennengelernt haben, war wohl ein Glücksfall. Mittlerweile klettern wir nicht nur gemeinsam mit Begeisterung, sondern machen große Wandertouren, rocken auf "Das Fest" oder zum Joris-Konzert, lästern, sind kindisch und albern, aber auch ernst - Freunde eben. Und sie ist zu einem wichtigen Menschen in meinem Leben geworden.

Aber auch Klettercoach Helmut und Sebi, mit denen ich hin und wieder an die Wand gehe, bereichern seitdem mein Leben. Sehr angenehm sind auch die "ungezwungenen Bekanntschaften" in der Kletterhalle, mit denen es etwas zu quatschen gibt. Zum Umfeld gehört für mich nun auch der Deutsche Alpenverein, Sektion Karlsruhe, in dem ich seit diesem Jahr aktives Mitglied bin. Mal schauen, inwieweit ich mich hier noch mehr einbringen kann.

Auch dem Klettern geschuldet ist wohl die wachsende Begeisterung an einer Landschaft ganz in der Nähe: die Südpfalz mit ihren roten Buntsandsteintürmen, großen Wäldern und unendlich vielen schönen Ausblicken. Ja, auf die Türme kann man klettern, es sind ja Felsen. Unser "Lernfelsen", der "Sommerfels" bei Gräfenhausen/Annweiler ist einer davon. Nächstes Jahr werden aber andere Herausforderungen angegangen, auf die ich mich schon jetzt freue. Nicht nur zum Klettern ist es in der Pfalz schön, sondern auch zum Wandern. So führten mich viele Wandertouren durch die einzigartige Landschaft mit ihren Burgruinen und ich machte Bekanntschaft mit dem Elwetritsch, dem Fabelwesen des Wasgau.

Klettern und Wandern - ich will es nicht mehr missen. Auch eine Fernwanderung gab es in diesem Jahr. Zusammen mit Johnny ging es 197 km auf dem Rennsteig in Thüringen entlang. Wieder eine tiefgreifende Erfahrung. Kommendes Jahr geht's auf den Eifelsteig.

Verrückte Sachen habe ich auch mit Marco in unseren gemeinsamen Urlauben gemacht. Sei es nun der Flug mit der Seilrutsche über die Rappbodetalsperre im Harz oder mein Wallrunning an der Staumauer. Harz und Sölden im österreichischen Ötztal waren unsere Ziele. Viel Natur, viel draußen. Nicht zu vergessen auch die vielen kleineren Ausflüge an den Wochenenden, Nachtwanderungen und Städtetouren sowie ein paar Tage Weihnachtsfeeling bei meinen Eltern in Thüringen und Sachsen, wo wir in vier Tagen sechs Weihnachtsmärkte und ein Konzert im Leipziger Gewandhaus besuchten.


Ich bin gespannt auf das neue Jahr 2016!

Freitag, 18. September 2015

Die 3.000er immer im Blick

Wie in den letzten beiden Jahren ging es auch in diesem Jahr wieder für ein paar Tage nach Österreich. Ziel war diesmal der kleine Ort Sölden im Ötztal. Im Winter ein Mekka für Ski- und Snowboardfans, im (Spät-)Sommer ist da eher nicht so viel los. Und das haben wir gegen Ende der dort verbrachten zehn Tage auch gespürt: Es wurde immer schwieriger, abends ein Lokal zu finden. Am letzten Tag mussten wir sogar in das Nachbardorf fahren, um nicht zu verhungern. Hier hat Sölden noch Potential - jedoch war das auch schon der einzige Kritikpunkt. Punkten kann die Gegend mit vielen imposanten Bergen, von denen viele locker über 3.000 Meter hoch sind. Einige davon mit einer weiß-gezuckerten Spitze. Hochgebirge also. Sölden liegt schon auf knapp 1.500 Meter, das ist höher als der Brocken im Harz.


Und diese Landschaft musste natürlich erkundet werden! Nicht unvorbereitet war das Ziel des ersten Tages die Langtalereckhütte bei Obergurgl. Dies ist eine von drei Hütten der Sektion Karlsruhe des Deutschen Alpenvereins, daher wird sie aus "Karlsruher Hütte" genannt. Also besuchten wir den Georg, der die Hütte bewirtschaftet. Bilderbuchwetter machte uns den Aufenthalt auf der Terrasse fast unerträglich: die Sonne brannte in dieser Höhe sehr stark und ich habe wieder mal einen Sonnenbrand bekommen. Die Hütte selbst gemütlich-urig, wie man sich halt so eine Berghütte vorstellt. Und die im Wind wehende Fahne des DAV Karlsruhe davor vermittelte doch ein heimisches Gefühl.


Am nächsten Tag wollte das gute Wetter weiter genutzt werden. Die Entscheidung fiel auf den Ötztaler Höhenweg. Dieser läuft vom ca. 2.800 Meter hoch gelegenen Tiefenbachgletscher bei Sölden bis nach Vent. Wandern im Hochgebirge ist anders. Steile Hänge und dünne Luft. Trotzdem waren wir bei weitem nicht die einzigen auf diesem Weg, der irgendwie das Gefühl von Einsamkeit und Ausgeliefert-sein vermittelte. Nach knapp 4 km zog Marco es dann vor, mit dem Helikopter der örtlichen Bergrettung nach Zams zu fliegen - die dünne Luft bekam ihm nicht gut. Vent stand an diesem Tag nun nicht mehr als Ziel, sondern Zams. Also bin ich den Weg zurück gelaufen und habe ihn mit dem Auto wieder abgeholt.



Da man in den Bergen ja nicht viel mehr machen kann als zu wandern (wenn man sich denn irgendwie aktiv betätigen will), mussten wir nun überlegen, wie wir die übrigen Tage gestalteten. Das sah dann so aus, dass ich die großen Touren allein gemacht habe und Marco sich in den Orten umgeschaut und einen Kaffee getrunken hat. Oder wir machten gemeinsam kleinere Touren, wie z.B. am nächsten Tag einen Spaziergang zum Stuibenfall, Tirols höchstem Wasserfall. Direkt am Wasserfall ist ein Klettersteig, den ich eigentlich begehen wollte. Ich hatte alles dabei, was man dazu so braucht. Nun stand ich aber vor der ca. 190 m hohen fast senkrechten Wand, daneben der Wasserfall und kam ins Grübeln. Innerlich habe ich nach Moni, meiner Kletterpartnerin gerufen. Aber die ist in Südafrika und guckt wilde Tiere. So einen Klettersteig kann man generell auch allein machen. Ich hatte aber zu viel Respekt und wollte das nicht allein tun. Also ließen wir uns von dem grandiosen Schauspiel des tosenden Wassers faszinieren.


Die Tour am nächsten Tag war eine, die ich allein machte. Ausgesetzt den Launen des Wetters und der Natur war dies in jedem Fall eine interessante Erfahrung. Ziel war der Schwarzkogel oberhalb von Sölden auf 3.016 m Höhe. Da die letzten 14 Meter aber mit Schnee bedeckt und ganz glitschig waren, habe ich mir den Besuch des Gipfelkreuzes ersparen müssen. Safety first! Beeindruckend hier war der Schwarzsee, ein Hochgebirgssee mit tiefblauem Wasser. Der Weg, der am See vorbeiführte, war kein herkömmlicher Weg. Es war ein Hang aus Steinen, den man irgendwie bewältigen musste. Der Abstieg von da oben sprach alle Sinne an - von der Vegetation des Hochgebirges in die des Mittelgebirges. Warme grüne, mit Heidekraut bewachsene Hänge erinnerten mich an die Saalehorizontale bei Jena. Hier konnte ich dann auch meine Hightech-Wanderstöcke wieder an den Rucksack binden - da habe ich sie eh am liebsten gesehen.


Auch die Tour am Samstag machte ich allein, obwohl es nicht hoch hinauf ging. Anstrengend war sie aber trotzdem. Auf Mittelgebirgsniveau ging es über den Adlerblick bei Längenfeld Richtung Gries. Highlight sollte die Hängebrücke sein. Diese Tour empfand ich als besonders schön. Es war wie Wandern im Harz, auch was die Gerüche betraf. Nur mit dem Unterschied, dass im Hintergrund immer irgendwelche sehr hohen Berge zu sehen waren. Bei Gries kamen mir einige Bauern mit ihren geschmückten Kühen entgegen; es war der Tag des Almabtriebs, der in Längenfeld gefeiert wurde. Zum Ende der Tour erreichte ich dann auch die Hängebrücke, die ganz witzig ist. Sie ist hoch, aus Stahl und schaukelt ein wenig. Die Höhe sieht man besser, wenn man nach erfolgreichem Übergehen die Brücke von unten betrachtet.



Am Abend gab es dann etwas ganz Besonderes: Eine Nachtwanderung auf dem Ötztaler Sagenweg. Dieser ist beleuchtet und hin und wieder gibt es geheimnisvoll angestrahlte Figuren, die Bilder aus Ötztaler Sagen widerspiegeln. Dass der Weg auf diese Art illuminiert ist, ist jedoch nicht selbstversändlich. Man muss das mit dem am Ende (oder Anfang) des Weges befindlichen Alpengasthof "Am Feuerstein" besprechen. Da geht dann jemand in den Keller und "schaltet den Weg ein". Witzigerweise gerieten wir in dem Gasthof mitten in eine traditionelle österreichische Hochzeit mit sehr vielen Menschen. Wir waren die einzigen, die nicht zu der Gesellschaft gehörten (zum Glück), bekamen somit aber kostenlose Unterhaltung in Form von einer recht guten Band und später von heimatlich-traditionellen Volksweisen. Sogar den ersten Tanz des frisch vermählten Paares durften wir miterleben ... Gut, das reichte uns und wir machten uns auf in die Dunkelheit.


Nach so viel Tradition brauchten wir etwas moderneres, urbanes. Also ging es am Sonntag in die Hauptstadt Tirols, nach Innsbruck. Ein paar Geschäfte hatten für die Touristen geöffnet und hier kauften wir uns eine Flasche Zirbenschnaps - lecker. Zirbe trifft man hier häufig an und als alkoholisches Destillat schmeckt sie nach dem Essen besonders gut.


Der einzige Tag mit Regen war der Montag. Also was tun? Unsere Gastwirtin meinte, dass wir einmal in das zollfreie Dorf Samnaun in der Schweiz fahren könnten. Viele ihrer Gäste würden das machen, weil es dort billig sei. Erst später erfuhren wir von ihr, dass sie selbst vor 20 Jahren das letzte Mal dort war. Ok, also auf in die Schweiz. Bei Regen kamen wir in dem Dorf an und es war irgendwie ganz furchtbar. In jedem Haus gab es mindestens einen Laden und es wurden billiger Ramsch bis teuerste Marken feil geboten. Beim genauen Hinschauen auf die Preise, die in Schweizer Franken deklariert waren, konnte man nach ein wenig Rechnerei aber erkennen, dass es gar nicht billiger war! Ein paar Sneaker von NB für 199 SFR? Nee, die bekomme ich in Karlsruhe wesentlich günstiger. Und auch Parfüm gibts bei amazon zu einem kleineren Preis. Ich konnte also die Popularität von diesem Ort keineswegs nachvollziehen. Warum fährt man dorthin und kauft ein?


Auf der Rückfahrt wählte ich eine andere Route: die "alte Straße" auf schweizer Seite. Diese Fahrt spülte Adrenalin durch meinen Körper: enge Straßen mit tiefen Abgründen und Tunnel, in denen weniger Platz ist als in einer kleinen Tiefgarage - natürlich mit engen Kurven. Entgegenkommen darf da niemand.


Nun war auch schon der letzte Tag gekommen. Diesen wollte ich noch einmal für eine Tour nutzen; das Wetter war einigermaßen gut. Ich entschied mich für die Brunnenberg-Alm oberhalb von Sölden. Hier kam ich auf knapp 2.000 m Höhe. Am Wegrand wuchsen wilde Himbeeren, von denen ich unbedingt welche probieren musste. Tolles Aroma. Auf den Höhen wurde es dann ziemlich windig und ich war froh, als es wieder nach unten ging. Der Weg war sehr schmal und schlängelte sich am Berg entlang. Plötzlich standen und lagen da Kühe auf diesem schmalen Weg. Irgendwie musste ich da vorbei, denn es gab keinen anderen Weg nach unten. Also habe ich erst einmal mit den Kühen geredet. Das hat die aber nicht interessiert. Nun drückte ich mich irgendwie an der ersten Kuh vorbei und hoffte, dass sie friedlich bleibt. Möglicherweise bekommen die Kühe öfters Besuch, daher ist das für die normal. Alle waren also lieb und ich bin wohlbehalten im Tal angekommen.



Ein paar Worte noch zu unserer Pension "Haus Wiesenblick". Durch die vielen sehr guten Bewertungen bei booking.com bin ich auf das Haus aufmerksam geworden. Kann eine Pension wirklich so gut sein? Also selbst mal testen. Schon die herzliche Begrüßung durch die Wirtin, Frau Gritsch, stimmte uns auf die kommenden Tage ein - es gab erst einmal einen Obstler. Sie zeigte uns danach unser Zimmer und alles andere, was wir nutzen durften. Schnell mochten wir uns und von nun an waren wir "ihre Jungs". Es war alles perfekt; man merkte, dass das Wohl der Gäste vor den wirtschaftlichen Interessen stand. Sowas hat man selten.

P.S. Die gemachten Touren mit vielen Fotos sind wie immer auf meinem Profil bei komoot zu finden.

Sonntag, 28. Juni 2015

Mystische Wanderung am Michaelsberg

Wenn ich hier etwas über eine Wanderung schreibe, sind es ja normalerweise lange Strecken, die auch mal über mehrere Tage gehen. Gestern aber waren es nicht einmal fünf Kilometer - und trotzdem war es eine besondere Wanderung. Start war gegen 22:30 Uhr in Untergrombach/Bruchsal und Ziel war die Michaelskapelle auf dem gleichnamigen Berg. 22:30 Uhr? Ja genau! Was man früher auch schon gemacht hat, war ja schön - eine Nachtwanderung! Ausgerüstet mit Taschenlampen ging es also los, hinein in die Dunkelheit ...

Die ersten Meter waren noch durch Straßenlaternen beleuchtet. Sehr schnell ging es dann in den Wald, der Weg war relativ breit und noch gut zu sehen. Das lag wohl auch an dem Mond, der ab und zu hinter den Wolken hervorkam. Je weiter wir uns vom Ort entfernten, umso ruhiger und dunkler wurde es. Nun ging es einen sehr schmalen, steilen Weg mit Treppen hinauf, das war spannend.


Auf dem nächsten größeren Weg angekommen, ging es eine ganze Weile auf fast gleichbleibender Höhe nach Westen und später Norden. Die Trockenmauern am Weg sahen im fahlen Licht unserer LED-Lampen ziemlich mystisch aus. Wie freundlich und einladend diese Landschaft doch bei Tageslicht ist ...


An einer Wegkreuzung die nächste Überraschung: eine Heiligenskulptur, die bei dieser Beleuchtung wirklich geheimnisvoll wirkte. Weiter auf dem Weg nach oben raschelte es immer mal wieder im Gebüsch und in den Bäumen. Hier wohnen wohl viele nachtaktive Tiere.


Auf dem nur knapp 270 m hohen Gipfel angekommen, sahen wir schemenhaft die Michaelskapelle. In den frühen Abendstunden wird die Kapelle angestrahlt, so dass man sie auch vom Tal sehr gut sehen kann. Leider waren wir zu spät und ein Foto gelang nicht - unsere Taschenlampen konnten das große Gebäude natürlich nicht so gut in Szene setzen. Trotzdem - da oben ist es einfach schön! Auch bei Dunkelheit hat man einen tollen Blick in die Weite. Südwestlich sieht man die Lichter der Raffinerie am Rhein bei Karlsruhe, unmittelbar am Fuß des Berges das kleine Örtchen Untergrombach, etwas weiter in nördlicher Richtung die Lichter von Bruchsal und irgendwo weiter hinten ein Skybeamer, der die Wolken erhellte. Westlich am Horizont sah man das Kernkraftwerk Philippsburg. Wir setzen uns auf eine Bank und waren da oben nicht die einzigen - ein beliebtes Ausflugsziel selbst bei Nacht.

Der Abstieg führte uns am Kindlesbrunnen vorbei, bei Dunkelheit ebenfalls ein mystischer Ort. Und mancher Baum tat bei der Beleuchtung sein Übriges ...


Anstrengend war die Tour natürlich nicht, dafür aber mal etwas komplett anderes und irgendwie zauberhaft :-)


Der Link zur Tour: https://www.komoot.de/tour/5563782

Samstag, 30. Mai 2015

Drei Wochen Natur, Adrenalin und eine tolle Zeit

Schon sind sie wieder vorüber, die drei Wochen Urlaub. Und es waren sehr schöne Tage!

In der ersten Woche ging es in den Harz. Ja, auch zum Wandern. So erklommen wir den sagenumwobenen Brocken auf einer 18 km langen, stetig bergauf führenden Tour. Nicht so anstrengend war die Wanderung entlang der Teufelsmauer, aber doch auch sehr mystisch. Doch der Harz kann noch mehr. Einmal entlang Deutschlands höchster Staumauer der Rappbode-Talsperre fliegen? Ein dünnes Stahlseil macht es möglich. Das war ziemlich aufregend, aber wunderschön.


An der 43 Meter hohen Staumauer der Talsperre Wendefurth wiederum gibt es ein anderes Highlight. Die unbeteiligten Menschen, die zufällig da standen, meinten nur, ich sei wahnsinnig. Aber sie fieberten mit und es gab Applaus: Wallrunning. Heißt, die Staumauer nach unten laufen, und zwar vorwärts. Natürlich gesichert.


Adrenalin pur und irgendwie war ich froh, als ich unten war. Ein interessantes Gefühl war es aber allemal und ich würde es wieder tun. Egal was die anderen sagen.

Natürlich gab es auch ruhigere Stunden, wie z.B. das Ausklingen eines jeden Tages in der wunderschönen Stadt Wernigerode, wo wir auch unser Hotel hatten. Ja, der Harz fasziniert mich schon sehr lange - und er kann sehr abwechslungsreich sein.


Die beiden folgenden Wochen gings mit Johnny in den Thüringer Wald zum - Wandern. Offiziell ist er 169 km lang, der Rennsteig von Blankenstein an der Saale nach Hörschel an der Werra. Wir wollten die Strecke in acht Tagen schaffen. Am Ende waren es dann 197 km.


Die Tour führte uns auf Wald-, Feld- und Wiesenwegen über die Höhen des Thüringer Waldes. Landschaftlich hatte ich mir mehr versprochen. So abwechslungsreich war der Rennsteig dann doch nicht. Aber gut - er war ja nie als Wanderweg angelegt worden, sondern war in früheren Zeiten eher ein Handelsweg. Trotzdem waren auch diese Tage sehr schön und entschleunigend, was wohl auch an den leckeren all abendlichen Kräuterlikören lag :-)


Die drei "Naturwochen" klangen heute mit einem Klettertag in der Pfalz aus. Meine Kletterpartnerin Moni hatte die Idee dazu. Sie sagte: "Mit Seil und Karabiner rocken wir die Wand". Auch hier war etwas Adrenalin im Spiel - aber noch viel mehr Genuss an den schönen Buntsandsteinfelsen.


Samstag, 25. April 2015

Ich bin wieder unten - und glücklich!

Das in meinem letzten Post erwähnte Ziel habe ich schneller erreicht, als ich gedacht habe. Gestern war der große Tag: Mit Kletterlehrer Helmut und meiner Kletterpartnerin Moni ging es zum Battertfelsen bei Baden-Baden. Das Wetter war perfekt, so dass wir uns pünktlich halb drei nachmittags am Bahnhof Durlach treffen konnten. Schon den ganzen Tag über war ich aufgeregt und kribbelig. Das erste mal an einem Felsen klettern und den Gipfel erreichen - das war schon eine Herausforderung. Seit ein paar Wochen klettere ich mit Moni in der Halle. Wie sich herausstellen sollte, ist das nicht wirklich so aufregend wie das, was wir an diesem Nachmittag erleben würden.

Auf dem Weg vom Battert-Parkplatz zu unserem Felsen erzählte uns Helmut einiges über die Gegend: Natur, Geologie, Geschichte. Das war alles sehr interessant, auch wenn ich mir nur die Hälfte von dem gemerkt habe. Meine Gedanken waren schon am Felsen und mich beschäftigte die Frage, ob ich das schaffen werde. Als wir dann vor der 20 Meter hohen "Villnösser Nadel" standen, die es zu bezwingen galt, machte ich noch ein paar dumme Sprüche, aber ganz wohl war mir dabei nicht. Man kommt nur auf den Gipfel, indem man senkrecht hochklettert. Deswegen "Nadel"; es gibt keinen anderen Weg auf das Plateau.


Los geht's! Gurte und Schuhe anziehen, noch bissel schön machen, und schon bindeten wir uns ins Seil. Helmut machte natürlich den Vorstieg und setzte noch einige Sicherungskeile. Ich sicherte ihn dabei. Das sah schon cool aus, wie er da hoch stieg und das ging bei ihm relativ schnell. Nun war Moni dran, gesichert von Helmut oben auf dem Gipfel. Langsam tastete sie sich vor, Helmut gab ihr von oben Tipps für die Route. Was in ihrem Kopf vorging, konnte ich nur erahnen. Da hörte man auch schon mal das böse "F-Wort". Irgendwie hat sie es dann geschafft und war oben angekommen.


Von oben rief es dann "Tom, jetzt bist du dran. Und mach die Klemmkeile unterwegs wieder raus und bring sie mit hoch!". Hmm ... *schluck* ... ok ich muss da jetzt hoch, also tapfer sein. Die ersten Schritte, den Fels anfassen und sich halten, das war alles ungewohnt und mal gar nicht wie in der Kletterhalle. Ich konnte jetzt nur noch Helmut vertrauen, der mich sicherte. Langsam stieg ich nach oben. Mist, was ist das? Der Fels bröckelt ja. Es ist aber nichts weggebrochen und ich konnte mich gut halten. Ach ja, die Klemmkeile aus den Felsspalten holen und an den Gurt hängen ... boah. Dann ging's nicht mehr weiter. Wo festhalten, wohin treten? Ich habe keine Möglichkeiten mehr gesehen. Helmut coachte mich von oben. Aber es ging einfach nicht weiter. Das war der Kopf und ich fragte mich, was ich hier überhaupt mache. Soll ich abbrechen? Nee, das wär blöd. Helmut fing mich mental wieder ein und es ging weiter. Etwas weiter oben kam dieser Moment noch einmal. "Lauf einfach ein Stück nach links, da ist ein großer Tritt!". Laufen? Einfach? An der Felswand? Wie soll das gehen? Es ging! Als nächstes sollte ich mich einfach ins Seil hängen und die Hände vom Fels lassen. In der Halle kein Problem. Aber hier? Aufgrund der Länge gab das Seil nach und ich sackte etwas nach unten. Was für ein Adrenalinstoß (in meinen Adern floss die ganze Zeit schon Adrenalin anstatt Blut). "Und jetzt streck' die Arme auseinander und lass dich nach hinten fallen!" Ist der da oben verrückt geworden? Ich tat es trotzdem und sah über mir am Himmel die Paraglider fliegen. Kurz darauf war auch ich oben angekommen.

Was war das für ein Gefühl! Noch völlig fertig vom Aufstieg - nein, nicht die Kraft, sondern die Psyche - wurde ich von Helmut umarmt. Mit zittrigen Beinen setze ich mich neben Moni und Helmut fragte, wo ich denn den Cappuccino gelassen hätte. Er erzählte dann noch einen Witz und irgend etwas von einem Klavierkonzert - mir war das alles sowas von egal. Ich kann nicht beschreiben, was in meinem Kopf vorging. Einerseits war es ein absolut erhabenes Gefühl, hier oben zu sitzen und die Aussicht zu genießen. Andererseits war da aber natürlich auch Angst. Die geht nur weg, indem man klettert.



So, nun wieder runter, abseilen. Moni war die erste. Ich hab mich noch gewundert, warum das so lang dauert, bis das los ging. Doch als ich dann dran war, wusste ich es. Das war nochmals eine sehr große psychische Herausforderung. Im Seil rückwärts an die Felskante stellen,  am Sicherungsgerät langsam Seil durchlaufen lassen und nun nach hinten lehnen und die Füße an die senkrechte Felswand stellen. Das war denn der Moment, wo ich einen Hubschrauber gerufen hätte. Aber Helmut war ja da und hatte viel Geduld. Nach dem ersten Schritt war das Abseilen dann richtig schön und ich kam wohlbehalten unten an, wo mich Moni schon erwartete. Helmut flog dann praktisch nach unten. Keine Ahnung, wie er das gemacht hat.



JA! Diese Erlebnis nimmt mir keiner mehr! Was war das für eine Flut an Eindrücken, Gefühlen, Gedanken! Es war toll, auch wenn noch immer die Angst mitschwang. Doch ich war und bin so stolz, das geschafft zu haben. Helmut sagte oben auf dem Gipfel, dass da schon einige abgebrochen hätten. Von daher war es wohl eine gute Leistung von uns. Überraschend war für mich, dass ich keinerlei Probleme mit meiner Kraft hatte (was in der Halle schonmal vorkommt). Es war nur der Kopf - sonst nichts.


Kommende Woche wird wieder geklettert, aber in der Halle. Ob ich wieder an den Fels will? Wahrscheinlich schon ;-)

Freitag, 30. Januar 2015

Art of Climbing

Ich bin grad froh, dass ich noch die Tastatur bedienen und somit hier einige Zeilen schreiben kann. Dass meine Finger so eingeschränkt sind, liegt aber nicht am vielen Schreiben (könnte man nach meinem letzten Post vielleicht denken), sondern am Probieren einer für mich neuen Sportart: dem Klettern.

Angestachelt von Wanderungen am Battert und Karlsruher Grat wollte ich es selbst auch wissen, wie es ist, eine senkrechte Wand zu bezwingen. Der Einstieg hierzu geht natürlich nur unter fachkundiger und seriöser Betreuung, also schaute ich mir die Kurse des Deutschen Alpenvereins Karlsruhe an. Hier wurde ich mit einem zweistündigen Schnupperkurs fündig. Gestern Abend ab 20 Uhr fand er nun statt, in der Kletterhalle des DAV in Karlsruhe, "Art of Climbing".

Kletterschuhe und Gurt wurden gestellt und dann ging es auch schon los. Zusammen mit zwei anderen Neulingen durften wir ein kleines Stück an der ersten Wand hoch. Ok, kein Problem. Doch dann einfach mal zurückfallen lassen. Das war etwas Überwindung, wenn auch nichts passieren konnte. Gut gesichert im Seil hing ich also irgendwie an der Wand. Aber es war alles richtig so. Aufgabe gelöst, dann weiter: die ganze Wand hoch, 10 Meter. Das war dann schon schwieriger, immer schauen wo man sich festhalten und abstützen kann. Oben angekommen ein Blick nach unten. Hmm ... von unten sah das nicht so hoch aus. Und wie jetzt runter kommen? Einfach an die Kante stellen und rückwärts fallen lassen. Das war schon ein seltsames Gefühl und ich musste dem da unten zu 100% Vertrauen. Mit dem Vertrauen lief's ja bei mir in letzter Zeit nicht so gut, doch ich hatte in diesem Fall keine andere Wahl. Aber alles war gut und ich bin glücklich unten angekommen.

Wir machten dann noch andere, schwierigere Wände oder sollten vorgegebene Wege gehen und nur bestimmte Steine in der Wand nutzen. Bis auf einmal bin ich immer oben angekommen. Bei der letzten Tour verließen mich dann meine Kräfte auf halber Höhe. Ich hatte keinerlei Kraft mehr in den Fingern und den Unterarmen. Dieses Gefühl kannte ich noch nicht. Also wieder runter und gut.

Nach den zwei Stunden war ich ziemlich fertig, was meine Kräfte anbelangt, badete in Adrenalin und war insgesamt absolut glücklich. Dass das Klettern eine so große Wirkung hat, habe ich nicht vermutet. Für mich steht nun fest, dass ich das weiter machen werde. Das nächste ist dann ein Grundkurs im März über zwei Abende. Da geht's dann auch um die richtige Sicherung, Klettertechniken und Bouldern (Klettern ohne Seil in Sprunghöhe). Dann muss ich mir nur noch einen Kletterpartner suchen (geht immer nur zu zweit) und es kann nach Belieben in der Halle weitergehen.

Vor Augen habe ich dabei ein Ziel, welches ich zeitlich aber noch nicht einordnen kann: Klettern am Battert bei Baden-Baden :-)


Dienstag, 27. Januar 2015

Wo ich war, das weiß ich jetzt nicht mehr genau


Wenn in einer sehr jungen Freundschaft Gefühle entstehen und die Freundschaft zerbricht, ist das sehr schmerzlich. Aufschreiben und andere teilhaben lassen - das ist meine Art, die Dinge für mich zu verarbeiten.

Es sah alles danach aus, als ob es eine gute Freundschaft wird. So wie es zwischen Andi und mir angefangen hat, kann man sich den Beginn einer Freundschaft nur wünschen. Unsere erste gemeinsame Unternehmung führte uns am ersten Novemberwochenende hoch hinaus auf den Klettersteig am Karlsruher Grat. Vor der ersten Begegnung war ich aufgeregt, so etwas mache ich ja nicht alle Tage. Obwohl wir schon länger SMS geschrieben hatten und ein wenig über uns wussten, war alles spannend und ungewiss. "Schauen wir, dass etwas schönes daraus wächst", schrieb er in einer seiner SMS. Auf der Fahrt nach Ottenhöfen unterhielten wir uns über die Dinge, die man so wissen will. Und dann endlich ging es auf Tour, immer bergauf, raus aus dem Tal, der untergehenden Sonne entgegen. Oben auf dem Felsen machten wir eine Pause, tranken Tee und schauten über die Landschaft - unser erster perfekter Moment. Unwiederbringlich, so wie die perfekten Momente immer sind. Wir verstanden uns vom ersten Augenblick an, hatten sofort einen Draht zueinander. Wir vertrauten uns.

Bei mir zu Hause angekommen, zogen wir uns um und gingen noch auf die Karlsruher Mess'. Etwas essen, Riesenrad, wilde Maus und noch einiges mehr. Ein, zwei flüchtige Berührungen, eher unbewusst. Hier spürte ich schon, dass da etwas mehr in mir ist. Ich kannte dieses Gefühl genau. Eines, dass ich schon lange nicht mehr hatte.

In den Tagen danach wurde es erst einmal wieder ruhig, bis wir uns auf einen Dienstag Abend verabredeten. Film schauen, bei mir. Die Berührungen wurden bewusster. Uns war klar, dass es erstens nicht richtig und zweitens sehr riskant war, was wir da taten. "Was tun wir hier?", fragten wir uns. Egal, der Moment war zu schön. Mir war aber auch klar, dass dies der Beginn einer schweren Zeit sein würde. Die kommenden Probleme, die jeder für sich haben würde, waren absehbar.

Nach diesem Abend folgten die wohl schönsten Tage. Jeden Tag viele SMS und Telefonate, liebe Worte, "Ich mag dich". Und die Freude auf den bevorstehenden Samstag, den wir ganz für uns haben würden.

Verrückt sollte er sein. Mitlaufen im Faschingszug in Oberhausen. Zunächst trafen wir uns bei Andi, redeten noch lang und schauten "Lichtmond 3". Seitdem sind die Musik und die Bilder von Lichtmond für mich der Inbegriff für diesen Tag, mittlerweile auch die stärkste Erinnerung an ihn.

Verspätet und verkleidet als silberhaarige Omas ging es dann los. Ich als Faschingsmuffel war mir total unsicher. Doch es war dann nur noch lustig. Zusammen mit anderen "älteren Damen" zogen wir durchs Dorf - atemlos und mittendrin, anstatt nur als Zaungast. Andi malte mir ein Herz auf die rechte Wange.

Nach dem Umzug gab es einige Alkoholleichen, zum Glück nicht wir. Eine aus unserer "Damengruppe" retteten wir und fuhren sie nach Hause. Danach begann unser Abend.

Einkaufen im Rewe, ohne Perücken und Schürze, aber noch geschminkt. Unsere Gesichter erinnerten uns eher an Katzen als an alte Damen. So kauften wir die Zutaten für unser Abendessen. Bei Andi angekommen, dauerte es noch eine ganze Weile, bis wir mit Kochen anfingen. Wir waren uns wichtiger als das Essen.

Beim gemeinsamen Kochen lief dann "Opus" von Schiller. Nach dem Gemüseauflauf schauten wir das "Symphonia"-Konzert und danach "Lichtmond 2". Keiner wollte den anderen loslassen und ich wollte an diesem Abend auch nicht nach Hause. Was ich fühlte, dachte und empfand, war einfach so überwältigend für mich. Andi sagte, es sei alles so surreal - und so kam es auch mir vor. "In mir war nichts mehr wie es war, als dein Herz mein Herz berührte". Waren da etwa auch Tränen?

Am nächsten Morgen war mir schlecht vom Alkohol, wusste aber genau, was am Abend zuvor war. Die vergangenen, perfekten Stunden lagen hinter uns. Wie weiter? "Ich mag dich so", sagte er beim Verabschieden. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder davor Angst haben sollte.

Danach wurde es nie wieder zwischen uns wie an diesem Tag - zumindest nicht so intensiv. Kino, Spaziergang, Filme schauen. Ja, auch sehr viel Nähe und "Let me love you". Ich spürte aber, dass irgend etwas anders war. Bis heute kenne ich nicht den Grund für diese Änderung. Am Tag vor Heiligabend sahen wir uns das letzte Mal. Ab da kaum noch SMS, von Telefonaten ganz zu schweigen. Es ist nicht so, dass ich nicht gewollt hätte. Ich sprach aus, was ich fühlte. Es kam einfach nichts mehr zurück. Wie sollte ich mich verhalten, was sollte ich nun denken? Das alles tat und tut mir einfach sehr weh. Noch nie zuvor war ich so verletzt.

Ob und wie es weitergeht? Ich weiß es nicht, habe ja nicht einmal die Chance, es zu beeinflussen. Wir wollten uns als Menschen nicht verlieren, lange Zeit etwas voneinander haben - das sagten wir uns einst und ich stehe noch immer dazu. Aber Andi?

Für mich bleiben viele offene Fragen und ein Text von Rosenstolz, der das Erlebte und Gefühlte am besten zum Ausdruck bringt: Der Moment.

Wo ich war, das weiß nich jetzt nicht mehr genau.
Weiß nur, eines Tages warst du hier.
Hast mein Leben völlig auf den Kopf gestellt
und ich war ein kleines Stück von dir.

Doch dann kam der Tag für dich und deine Welt.
Und ich fand nicht mehr zu mir zurück.

Und was mir bleibt, ist dein Gesicht
und das Gefühl, geteilt zu sein.
Will ich dich jemals wiederseh'n, jemals wieder spür'n,
oder war es nur der Moment?

Wieviel Zeit inzwischen wohl vergangen ist,
wieviel Angst und wieviel Einsamkeit.
Nur daß meine Welt ein wenig reicher ist,
oder leer, wir war'n wohl nicht bereit.

Vielleicht war's einfach nicht die rechte Zeit für uns,
mag sein, ich finde bald zu mir zurück.

Und was mir bleibt, ist dein Gesicht
und das Gefühl, geteilt zu sein.
Will ich dich jemals wiederseh'n, jemals wieder spür'n,
oder war es nur der Moment?