Montag, 17. Juli 2017

Houserunning - man sagt, ich sei irre

Dabei war es doch nur ein Gutschein zum Geburtstag, den ich gestern eingelöst habe. Zugegeben, dieser Geburtstag ist schon knapp zwei Jahre her und ich habe das ganze etwas hinausgezögert. Denn bei dem Gedanken an das, worum es geht, wurde mir schon etwas anders zumute:

"Houserunning" am Frankfurter Leonardo Hotel. Und das ist genau was? Ganz simpel: Man stellt sich auf die Dachkante eines 100 Meter hohen Hochhauses und "läuft" an Seilen hängend die Fassade hinunter.


So etwas habe ich vor zwei Jahren schon einmal im Harz an der Talsperre Wendefurth gemacht. Allerdings betrug die Höhe der Staumauer und somit der Laufweg nur etwas über 40 Meter. Der Gutschein versprach also doch ein wenig mehr Adrenalin.

Aber so schlimm war es dann gar nicht. Als ich das Hotel von unten anschaute, dachte ich mir, dass das gar nicht so hoch aussieht. Es waren auch noch andere "Läufer" da, die gerade von oben kamen. Sah gut aus! Marco war um ein vieles mehr aufgeregter als ich, obwohl er nur Zuschauer war. Das zeigte sich vor allem auch darin, dass er meinen Run vom Boden aus filmte - allerdings im Hochformat. Dabei habe ich ihm vorher ausdrücklich gesagt, dass er das bitte im Querformat machen solle, denn der Fernseher zu Hause steht ja auch nicht im Hochformat rum.

Nun wurde ich mit ein paar anderen Läufern per Hotelaufzug nach oben gebracht. Ich glaube, da stand was von 26 Stockwerken. Oben angekommen, kletterten wir auf das Dach und schon standen wir auf dem Hotel. Wir bekamen eine kurze Einweisung und erfuhren, was nun passiert.

Die Besonderheit bei dem Run in Frankfurt ist, dass es sich hierbei um das höchste Gebäude handelt, wo man so etwas macht. Diese Höhe erlaubt es, dass man ab einem gewissen Punkt von der Fassade wegspringen kann und die Coaches auf dem Dach in diesem Moment sehr viel Seil geben. Das bedeutet, dass man ein Stück im freien Fall fliegt. Das ganze kann man zwei Mal machen, dann ist man fast unten. Das klang spannend!

Nun ging es los. Dummerweise war ich der erste, der in der Reihe stand (weil ich der letzte war, der in den Aufzug gegangen ist - aus Höflichkeit - und somit der erste, der wieder raus ist). Meine Mitläufer, die nach mir dran waren, äußerten Bedenken an dem, was die da gleich tun. Einer hatte Höhenangst und meinte (scherzhaft), dass er wieder umkehren würde. Aber das tat niemand!

Ich wurde nun am Rücken mit den Seilen verbunden und durfte mich mit halber Schuhlänge an die Dachkante stellen, die andere Hälfte ragte über die Dachkante hinaus. Das war schon ein toller Ausblick auf die Skyline. Auch schaute ich nach unten, was mir rein gar nichts ausmachte. Vor dem Moment des nach-vorn-Kippens hatte ich schon etwas Bauchkribbeln, aber ich tat das dann einfach ohne nachzudenken. Und dann ging's weiter ... einfach nach unten laufen, was aber gar nicht so einfach war bei einer Körperlage, die um 90 Grad gedreht ist. Irgendwann durfte ich dann springen und dann ging es richtig schnell nach unten. Woooow, das war ein Gefühl! Und gleich nochmal! Fast unten angekommen, hatte ich logischerweiss den Kontakt zur Fassade gänzlich verloren und drehte mich irgendwie am Seil. Unten wurde ich dann sehr freundlich entgegengenommen und ich war total geflasht. Mein erster Gedanke: "Das werde ich wieder machen!!".

Freunde, Bekannte und Kollegen, die von dieser Aktion erfuhren, fanden das ziemlich cool. Die meisten sagten aber zugleich, dass sie das selbst nie machen würden. Einige meinten, ich sei irre.

Nun vielleicht bin ich irre - gerade weil mir das Stehen an der Dachkante nichts ausgemacht hat. Was ich aber mit Sicherheit bin: zufrieden. :-)



Freitag, 14. Juli 2017

Jean Michel Jarre open-air in Bonn

Es war mein zehntes Jarre-Konzert, welches ich am vergangenen Mittwoch besuchte - und das erste unter freiem Himmel. Das ganze fand in Bonn auf dem "KUNST-Rasen"-Gelände statt, direkt neben dem Posttower. Die Schlange am Einlass war noch relativ kurz und wuchs hinter mir doch sehr schnell an. Auf dem Gelände dann verliefen sich aber die Menschen, auch wenn alles gar nicht so groß aussah. Die Bühne fand ich für Jarre-Verhältnisse eher sehr klein; auch die Lautsprecher. Ich war etwas skeptisch ...

Gegen 21 Uhr ging es nun los. Wie zu dieser Jahreszeit üblich, war es natürlich noch nicht richtig dunkel. Lediglich die Regenwolken, die ihr Wasser aber bei sich behielten, verdeckten die untergehende Sonne. Trotzdem waren die Projektionen der LED-Panels hell und deutlich sichtbar. Bässe. Und was für welche. Wir standen auf einer Wiese und um uns herum gab es nur Bäume, die den Schall etwas einfangen konnten. Trotzdem bebte der Boden. Da bekam ich doch etwas Gänsehaut und eine Frau neben mir sagte, dass sie gleich anfängt zu heulen. Nicht nur die Bässe waren überragend, sondern auch die übrigen Sounds, die klar und laut beim Publikum ankamen.

Die LED-Panels zeigten überwiegend bekannte Motive, die ich vom letzten Konzert in Frankfurt kannte. Was ja auch klar war, denn auch dieses Konzert gehörte zu Jarre's "Electronica-Tour". Er spielte überwiegend Stücke der beiden "Electronica"-Alben, aber natürlich auch Klassiker, die nicht fehlen dürfen. Die Setlist wurde etwas umgebaut und es gab zwei neue Stücke, die in Frankfurt so noch nicht zu hören waren. "Herbalizer" und das recht alte "Zoolookologie" in einem völlig neuen Gewand. Beide Stücke gefielen mir gut, kamen aber nicht an meine Lieblinge "Oxygene 8" und "Stardust" heran. "Oxygene 8" klang ein wenig anders als in Frankfurt; noch kraftvoller und klarer. Naja und "Stardust" als Abschluss des Konzerts heizte nochmal so richtig ein.

Es müssen nicht immer die ganz großen Hallen sein. Es müssen auch nicht immer die Mega-Konzerte sein. Jarre geht auch etwas kleiner. Der Qualität und dem Spaßfaktor tut das keinen Abbruch. Es war wieder einmal Jarre in Reinstform.