Freitag, 30. Mai 2014

Tangerine Dream live in Stuttgart

Mit der "Phaedra Farewell Tour" machte Tangerine Dream am letzten Dienstag auch Station im Stuttgarter Theaterhaus. Während ich vor einigen Jahren beim "One Night in Space"-Konzert in Frankfurt nicht dabei sein konnte, habe ich mir diesmal schnellstmöglich eine Karte besorgt. Als bekennender Anhänger der elektronischen Musik sollte man einmal im Leben TD live gesehen haben. Ich war auf das Konzert sehr gespannt, hatte aber keinerlei große Erwartungen. Die Konzerte von TD kenne ich von verschiedenen DVDs und sicher wird das Konzert in Stuttgart ähnlich wie die vergangenen sein.

So war es dann auch: Die Bühne war nach üblichem Muster unter den Musikern aufgeteilt. In der Mitte standen zwei hohe Racks mit Synthies und anderen Geräten. Zwei sehr große Monitore zeigten die Oberfläche von Softwaresynthesizern. Ob diese tatsächlich auch live verwendet wurden oder nur als "Schmuck" fungierten, erschloss sich mir nicht wirklich. Die mir bekannten Konzert-DVDs glänzen in puncto Soundqualität nicht unbedingt. Umso überraschter war ich, als die ersten Töne erklangen. Wow! Was für eine Klangfülle, Dynamik und Tiefe. Glasklare Sounds, ein angenehmer, aber spürbarer Bass und die Lautstärke immer im Bereich des Erträglichen; bei vielen von mir besuchten Konzerten wurde es zum Ende hin immer lauter, dass einem die Ohren weh taten. Nicht so bei TD!


Spannend im Vorfeld und gelungen im Nachhinein war auch die Auswahl der Stücke. Bei einem Repertoire von gefühlten 1.000 Titeln sicher kein leichtes Unterfangen (die Anzahl kann übrigens tatsächlich ungefähr stimmen). Die gut zweieinhalb Stunden waren abwechslungsreich, kurzweilig und teilweise mitreisend. Auch wenn auf der Bühne nicht viel passierte, waren viele im Publikum - einschließlich mir - ziemlich gefesselt. Viele Stücke wurden neu arrangiert, teilweise mit einem ganz neuen Beat unterlegt. Und die verwendeten Sounds waren modern und für TD typisch.

Etwas schade fand ich, dass Bernhard Beibl als Gastmusiker nicht dabei war. Demnach war auch kaum eine E-Gitarre zu hören; nur Edgar Froese hing sie sich drei Mal um. Neben dem Chef und Gründungsvater standen weiterhin Thorsten Quaeschning, Iris Camaa, Hoshiko Yamane und die wundervolle wie auch unnahbare Linda Spa auf der Bühne. Ihr Saxophon ist einzigartig.

Insgesamt ein sehr gutes und für mich überraschend "frisches" Konzert. Vielleicht aber war es die letzte Tour, was auch eine Information auf der TD-Website vermuten lässt. Wäre schade.

Sonntag, 25. Mai 2014

Fünf Tage Wandern auf dem Harzer Hexen-Stieg

In meinem letzten Harz-Urlaub 2011 legte ich für mich fest, dass ich irgendwann in meinem Leben einmal den Hexenstieg bezwingen will. Nun ist bekanntlich "irgendwann" ja oftmals nie. Wer mich aber kennt, der weiß, dass ich in der Regel die Dinge auch umsetze, die ich mir vornehme. Also fragte ich im letzten Jahr meinen besten Freund Johnny, ob er Lust auf die Tour hätte. Er sagte natürlich zu und ich machte mich an die Planung. Nach einigen Recherchen im Internet fand ich einen Anbieter aus Goslar, der ganz gut passte. Ich wählte die Tour in fünf Etappen mit Gepäcktransport - das ist bequem und würde ich jedem anderen, der die Tour machen will, empfehlen. Auf Grundlage der offiziellen Wanderkarte plante ich die einzelnen Etappen wie gewohnt mit komoot. Einen Gesamtüberblick über die Strecke habe ich mit den einzelnen aufgezeichneten Tracks mit Google Earth gebastelt.


Letzten Sonntag war es dann soweit: Auf nach Osterode, von wo die erste Etappe startete. Am Abend hatten wir noch etwas Zeit und schauten uns die kleine Stadt ein wenig an. Eine Nacht im Hotel und am nächsten Tag um 9 Uhr ging es los. Vor uns lagen ca. 29 km mit Ziel in Altenau.


Die erste Etappe verlief stetig aber meist sanft bergauf. Sehr interessant waren die Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft, die für den seinerzeit betriebenen Bergbau in der Region geschaffen wurden. Gräben, Kanäle, Stollen, Teiche - vieles davon ist noch heute sehr gut erhalten und in Funktion. Die weitläufige Anlage befindet sich auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco.




Am Abend erreichten wir unsere Pension. Und nach einem nicht wirklich erwähnenswerten Abendessen in einer ortsansässigen Gaststätte schleppte ich mich ins Bett und freute mich auf die nächste Etappe. Diese hatte als Ziel den Brocken. Die Strecke ging zunächst weiter an den Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft, bis der Weg steil und schmal wurde und entlang eines Hanges verlief. Wurzeln, Steine, umgekippte Bäume, kleine Wasserläufe kreuzten unseren Weg.


In Torfhaus angekommen, zeigte sich der Brocken stolz vor uns. Von nun an ging es auf dem Goetheweg hinauf auf Norddeutschlands höchsten Berg.


Auf den letzten beiden Kilometern überraschte uns ein kleiner Regenschauer, der nicht angekündigt war. Jedoch ist das Wetter auf dem Brocken ziemlich unberechenbar und Umschwünge innerhalb kürzester Zeit sind nicht ungewöhnlich. Der Regen verzog sich schnell wieder und wir waren auf dem einstigen "Sehnsuchtsberg" angekommen. Bis vor 25 Jahren ein militärischer Sicherheitsbereich - heutzutage kann man auf dem Brocken sogar übernachten. Dies taten wir auch, nachdem wir die einmalige Abendstimmung genießen durften: Bestes Wetter und absolute Ruhe, denn die Touristen waren alle wieder ins Tal gefahren.




Wenn man einen Berg erklimmt, muss man auch wieder hinunter. Die dritte Etappe startete wieder kurz nach 9 Uhr. Vor uns lag der längste Teil der Strecke; gelaufen waren es am Ende stolze 32,4 km. Erfreut stellten wir fest, dass unser Lunchpaket eine - wenn auch nur sehr kleine - Flasche des leckeren "Schierker Feuerstein" enthielt. Diese tranken wir jedoch erst nach erreichtem Ziel am Abend in Rübeland. Die Strecke zog sich ziemlich, zumal kurz vor Ende noch eine nicht zu unterschätzende Steigung kam. Wir wurden mit einem schönen Blick auf Rübeland belohnt - und ganz am Horizont stand der Brocken, von dem aus wir vor 8,5 Stunden gestartet waren.


Hier in Rübeland hatten wir die bisher beste Unterkunft mit dem besten Gastwirt, der uns schon auf der Straße erwartete. Das Essen dort war sehr lecker und die Betten bequem. Das mussten sie auch sein, denn am nächsten Morgen startete die vierte Etappe nach Treseburg. Ab nun am war die Bode unsere Begleiterin - mal direkt neben uns, mal tief im Tal, mal etwas fernab des Weges. Die Strecke führte mal im Tal entlang, dann mal wieder fast schon auf einer Hochebene. Wir sahen die Stauwerke der Bode; die Talsperre Wendefurth und die imposante Rappbodetalsperre. Zu Mittag ging's auf ein schwimmendes Restaurant an der Talsperre Wendefurth. Man fühlte sich wie am Meer, aber nicht wie in einem Mittelgebirge. Dieser kleine Abstecher ist empfehlenswert.




Am Ziel in Treseburg staunten wir über unser Hotel, welches wie ein kleines Schloss aussah. Es lag direkt am Hexenstieg und die Wanderer liefen vorbei, während wir im Biergarten den Nachmittag genossen. In dem kleinen vertäumten Treseburg ist die Zeit irgendwie stehen geblieben. Man kann dort noch richtig die Ruhe und die Natur während eines lauschigen Abends genießen - und sich auf die letzte Etappe nach Thale freuen. Diese war eine leichte Übung und führte uns weiter durch das Bodetal, welches immer spektakulärer wurde. Das große Finale in einem einzigartigen Tal. Man kann diese Schönheit und Gewaltigkeit nicht mit der Kamera einfangen, sondern nur selbt erleben.



Die hinter uns liegenden 114 km waren und sind ein ganz besonderes Erlebnis. Fünf Tage den Harz zu durchqueren bedeutet Natur, die Sinne schärfen und den eigenen Körper herauszufordern. Nur selten wird man vom "Kulturlärm" gestört - und das ist in unserer heutigen Zeit Gold wert. Auch wenn die Tour teilweise sehr anstrengend war, so habe ich jeden Augenblick genossen.

Strecke, GPS-Aufzeichnungen und weitere Bilder
1. Etappe: Osterode - Altenau  29,4 km  Tour (Teil1) (Teil 2)
2. Etappe: Altenau - Brocken  18,4 km  Tour
3. Etappe: Brocken - Rübeland  32,4 km  Tour
4. Etappe: Rübeland - Treseburg  20,9 km  Tour
5. Etappe: Treseburg - Thale  12,2 km  Tour