Mittwoch, 27. August 2008

Stunde der elektronischen Musik

Es mag nicht viele Leute geben, die sie noch kennen. Die "Stunde der elektronischen Musik" auf Jugendradio DT64, immer sonnstags von 13 bis 14 Uhr. Das war bis 1990. Für mich damals die einzige Möglichkeit, als gelernter DDR-Bürger halbwegs auf dem Laufenden zu bleiben, was die aktuellen Alben der elektronischen Musik anging. Es gab sonst keine Radio- oder Fernsehsendung - auch nicht im westlichen Teil Deutschlands - die sich mit dem Thema beschäftigt hat. Doch, eine gab es: "Schwingungen", die lief aber auf WDR und den haben wir nicht bekommen.

Jedenfalls wurde in einer der Sendung ein Stück von einem polnischen Künster vorgestellt, dessen Namen ich vergessen habe - sowohl den Namen des Künstlers als auch des Stückes. Ich weiß nur eines: Das Stück hat mich damals sehr begeistert und ich hatte es die ganzen Jahre hindurch immer in meinem Kopf. Gehört habe ich es aber seitdem nie wieder.

Letzte Woche hörte ich wie öfters auf Last.fm etwas Musik und da kam ein Stück von einem gewissen Marek Bilinski. Das klang ziemlich interessant, zumal das ganze eben auch elektronisch war. Also informierte ich mich weiter über ihn und hörte mir einige Stücke von ihm an. Das war dann ein Treffer ins Schwarze! Ich habe genau dieses Stück wiedergefunden. Als ich es hörte, lief mir erstmal eine Gänsehaut über den Rücken. Nach so vielen Jahren bin ich fündig geworden und die Erinnerungen an die sonntägliche Stunde vorm Radio war auch wieder lebendig ...
Falls von Interesse, das Stück heißt "Gorace Lato" und ist vom Album "Wolne Loty", erschienen 1986.

Natürlich gibt es auch bei MySpace eine Seite: http://www.myspace.com/marekbilinski

Samstag, 2. August 2008

Sommersturm

Rein zufällig habe ich mitbekommen, dass heute Abend auf PRO7 der Film "Sommersturm" läuft. Er kam 2004 in die Kinos, wo er aber irgendwie an mir vorbei ging. Höchste Zeit also, dass ich ihn mir anschaue!

Und nachdem ich den Film sah, muss ich zugeben, dass ich ihn völlig unterschätzt habe. Diese Coming Out-Geschichte ist teilweise so tiefsinnig, dass ich es erst nach genauerem Überlegen gemerkt habe. Erzählt wird das alles mit viel Witz, so dass ich sogar über die traurigen Szenen noch schmunzeln konnte. Und natürlich werden auch alle Klischees bedient. Ein Happy End gibts es auch! Aber eines hat der Film bewirkt: Ich habe mich 16 Jahre zurückversetzt gefühlt. Viele Ereignisse und auch Gefühle aus einem meiner wichtigsten Lebensabschnitte waren so nah, als hätte ich alles erst eben erlebt. Auch wenn mein Coming Out doch etwas anders war, aber in dem Film wurden die Sehnsüchte und Ideale angesprochen, die ich damals auch hatte. Wahrscheinlich nicht nur ich, sondern jeder, der diese Phase erlebt hat. Und  auch in meinem Leben gab es ein Zeltlager - nur war das dann etwas später und gerudert sind wir auch nicht. Ach ja, Mädels waren da auch keine ...

Und wenn ich nun überlege, was aus den Sehnsüchten und Idealen von damals geworden ist? Vieles ist anders gekommen als erwartet oder gehofft. Das reale Leben ist dann doch eine Spur anders als im Film. Aber im Großen und Ganzen hat es das Leben gut mit mir gemeint.

Nur eine Sehnsucht hat der Film zweifellos in mir geweckt: Noch einmal so jung wie damals zu sein und die Unbeschwertheit zu genießen.