Freitag, 30. Januar 2015

Art of Climbing

Ich bin grad froh, dass ich noch die Tastatur bedienen und somit hier einige Zeilen schreiben kann. Dass meine Finger so eingeschränkt sind, liegt aber nicht am vielen Schreiben (könnte man nach meinem letzten Post vielleicht denken), sondern am Probieren einer für mich neuen Sportart: dem Klettern.

Angestachelt von Wanderungen am Battert und Karlsruher Grat wollte ich es selbst auch wissen, wie es ist, eine senkrechte Wand zu bezwingen. Der Einstieg hierzu geht natürlich nur unter fachkundiger und seriöser Betreuung, also schaute ich mir die Kurse des Deutschen Alpenvereins Karlsruhe an. Hier wurde ich mit einem zweistündigen Schnupperkurs fündig. Gestern Abend ab 20 Uhr fand er nun statt, in der Kletterhalle des DAV in Karlsruhe, "Art of Climbing".

Kletterschuhe und Gurt wurden gestellt und dann ging es auch schon los. Zusammen mit zwei anderen Neulingen durften wir ein kleines Stück an der ersten Wand hoch. Ok, kein Problem. Doch dann einfach mal zurückfallen lassen. Das war etwas Überwindung, wenn auch nichts passieren konnte. Gut gesichert im Seil hing ich also irgendwie an der Wand. Aber es war alles richtig so. Aufgabe gelöst, dann weiter: die ganze Wand hoch, 10 Meter. Das war dann schon schwieriger, immer schauen wo man sich festhalten und abstützen kann. Oben angekommen ein Blick nach unten. Hmm ... von unten sah das nicht so hoch aus. Und wie jetzt runter kommen? Einfach an die Kante stellen und rückwärts fallen lassen. Das war schon ein seltsames Gefühl und ich musste dem da unten zu 100% Vertrauen. Mit dem Vertrauen lief's ja bei mir in letzter Zeit nicht so gut, doch ich hatte in diesem Fall keine andere Wahl. Aber alles war gut und ich bin glücklich unten angekommen.

Wir machten dann noch andere, schwierigere Wände oder sollten vorgegebene Wege gehen und nur bestimmte Steine in der Wand nutzen. Bis auf einmal bin ich immer oben angekommen. Bei der letzten Tour verließen mich dann meine Kräfte auf halber Höhe. Ich hatte keinerlei Kraft mehr in den Fingern und den Unterarmen. Dieses Gefühl kannte ich noch nicht. Also wieder runter und gut.

Nach den zwei Stunden war ich ziemlich fertig, was meine Kräfte anbelangt, badete in Adrenalin und war insgesamt absolut glücklich. Dass das Klettern eine so große Wirkung hat, habe ich nicht vermutet. Für mich steht nun fest, dass ich das weiter machen werde. Das nächste ist dann ein Grundkurs im März über zwei Abende. Da geht's dann auch um die richtige Sicherung, Klettertechniken und Bouldern (Klettern ohne Seil in Sprunghöhe). Dann muss ich mir nur noch einen Kletterpartner suchen (geht immer nur zu zweit) und es kann nach Belieben in der Halle weitergehen.

Vor Augen habe ich dabei ein Ziel, welches ich zeitlich aber noch nicht einordnen kann: Klettern am Battert bei Baden-Baden :-)


Dienstag, 27. Januar 2015

Wo ich war, das weiß ich jetzt nicht mehr genau


Wenn in einer sehr jungen Freundschaft Gefühle entstehen und die Freundschaft zerbricht, ist das sehr schmerzlich. Aufschreiben und andere teilhaben lassen - das ist meine Art, die Dinge für mich zu verarbeiten.

Es sah alles danach aus, als ob es eine gute Freundschaft wird. So wie es zwischen Andi und mir angefangen hat, kann man sich den Beginn einer Freundschaft nur wünschen. Unsere erste gemeinsame Unternehmung führte uns am ersten Novemberwochenende hoch hinaus auf den Klettersteig am Karlsruher Grat. Vor der ersten Begegnung war ich aufgeregt, so etwas mache ich ja nicht alle Tage. Obwohl wir schon länger SMS geschrieben hatten und ein wenig über uns wussten, war alles spannend und ungewiss. "Schauen wir, dass etwas schönes daraus wächst", schrieb er in einer seiner SMS. Auf der Fahrt nach Ottenhöfen unterhielten wir uns über die Dinge, die man so wissen will. Und dann endlich ging es auf Tour, immer bergauf, raus aus dem Tal, der untergehenden Sonne entgegen. Oben auf dem Felsen machten wir eine Pause, tranken Tee und schauten über die Landschaft - unser erster perfekter Moment. Unwiederbringlich, so wie die perfekten Momente immer sind. Wir verstanden uns vom ersten Augenblick an, hatten sofort einen Draht zueinander. Wir vertrauten uns.

Bei mir zu Hause angekommen, zogen wir uns um und gingen noch auf die Karlsruher Mess'. Etwas essen, Riesenrad, wilde Maus und noch einiges mehr. Ein, zwei flüchtige Berührungen, eher unbewusst. Hier spürte ich schon, dass da etwas mehr in mir ist. Ich kannte dieses Gefühl genau. Eines, dass ich schon lange nicht mehr hatte.

In den Tagen danach wurde es erst einmal wieder ruhig, bis wir uns auf einen Dienstag Abend verabredeten. Film schauen, bei mir. Die Berührungen wurden bewusster. Uns war klar, dass es erstens nicht richtig und zweitens sehr riskant war, was wir da taten. "Was tun wir hier?", fragten wir uns. Egal, der Moment war zu schön. Mir war aber auch klar, dass dies der Beginn einer schweren Zeit sein würde. Die kommenden Probleme, die jeder für sich haben würde, waren absehbar.

Nach diesem Abend folgten die wohl schönsten Tage. Jeden Tag viele SMS und Telefonate, liebe Worte, "Ich mag dich". Und die Freude auf den bevorstehenden Samstag, den wir ganz für uns haben würden.

Verrückt sollte er sein. Mitlaufen im Faschingszug in Oberhausen. Zunächst trafen wir uns bei Andi, redeten noch lang und schauten "Lichtmond 3". Seitdem sind die Musik und die Bilder von Lichtmond für mich der Inbegriff für diesen Tag, mittlerweile auch die stärkste Erinnerung an ihn.

Verspätet und verkleidet als silberhaarige Omas ging es dann los. Ich als Faschingsmuffel war mir total unsicher. Doch es war dann nur noch lustig. Zusammen mit anderen "älteren Damen" zogen wir durchs Dorf - atemlos und mittendrin, anstatt nur als Zaungast. Andi malte mir ein Herz auf die rechte Wange.

Nach dem Umzug gab es einige Alkoholleichen, zum Glück nicht wir. Eine aus unserer "Damengruppe" retteten wir und fuhren sie nach Hause. Danach begann unser Abend.

Einkaufen im Rewe, ohne Perücken und Schürze, aber noch geschminkt. Unsere Gesichter erinnerten uns eher an Katzen als an alte Damen. So kauften wir die Zutaten für unser Abendessen. Bei Andi angekommen, dauerte es noch eine ganze Weile, bis wir mit Kochen anfingen. Wir waren uns wichtiger als das Essen.

Beim gemeinsamen Kochen lief dann "Opus" von Schiller. Nach dem Gemüseauflauf schauten wir das "Symphonia"-Konzert und danach "Lichtmond 2". Keiner wollte den anderen loslassen und ich wollte an diesem Abend auch nicht nach Hause. Was ich fühlte, dachte und empfand, war einfach so überwältigend für mich. Andi sagte, es sei alles so surreal - und so kam es auch mir vor. "In mir war nichts mehr wie es war, als dein Herz mein Herz berührte". Waren da etwa auch Tränen?

Am nächsten Morgen war mir schlecht vom Alkohol, wusste aber genau, was am Abend zuvor war. Die vergangenen, perfekten Stunden lagen hinter uns. Wie weiter? "Ich mag dich so", sagte er beim Verabschieden. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder davor Angst haben sollte.

Danach wurde es nie wieder zwischen uns wie an diesem Tag - zumindest nicht so intensiv. Kino, Spaziergang, Filme schauen. Ja, auch sehr viel Nähe und "Let me love you". Ich spürte aber, dass irgend etwas anders war. Bis heute kenne ich nicht den Grund für diese Änderung. Am Tag vor Heiligabend sahen wir uns das letzte Mal. Ab da kaum noch SMS, von Telefonaten ganz zu schweigen. Es ist nicht so, dass ich nicht gewollt hätte. Ich sprach aus, was ich fühlte. Es kam einfach nichts mehr zurück. Wie sollte ich mich verhalten, was sollte ich nun denken? Das alles tat und tut mir einfach sehr weh. Noch nie zuvor war ich so verletzt.

Ob und wie es weitergeht? Ich weiß es nicht, habe ja nicht einmal die Chance, es zu beeinflussen. Wir wollten uns als Menschen nicht verlieren, lange Zeit etwas voneinander haben - das sagten wir uns einst und ich stehe noch immer dazu. Aber Andi?

Für mich bleiben viele offene Fragen und ein Text von Rosenstolz, der das Erlebte und Gefühlte am besten zum Ausdruck bringt: Der Moment.

Wo ich war, das weiß nich jetzt nicht mehr genau.
Weiß nur, eines Tages warst du hier.
Hast mein Leben völlig auf den Kopf gestellt
und ich war ein kleines Stück von dir.

Doch dann kam der Tag für dich und deine Welt.
Und ich fand nicht mehr zu mir zurück.

Und was mir bleibt, ist dein Gesicht
und das Gefühl, geteilt zu sein.
Will ich dich jemals wiederseh'n, jemals wieder spür'n,
oder war es nur der Moment?

Wieviel Zeit inzwischen wohl vergangen ist,
wieviel Angst und wieviel Einsamkeit.
Nur daß meine Welt ein wenig reicher ist,
oder leer, wir war'n wohl nicht bereit.

Vielleicht war's einfach nicht die rechte Zeit für uns,
mag sein, ich finde bald zu mir zurück.

Und was mir bleibt, ist dein Gesicht
und das Gefühl, geteilt zu sein.
Will ich dich jemals wiederseh'n, jemals wieder spür'n,
oder war es nur der Moment?