Dienstag, 2. Februar 2016

Turnbeutelvergesser - oder mein (einst gestörtes) Verhältnis zum Sport

Zehn Jahre Schule in der DDR - das waren 10 Jahre, in denen jede Woche zwei Stunden körperliche Ertüchtigung angeordnet wurden. Und schon damals empfand ich es wie heute, wenn ich zu irgend etwas gezwungen werde - es macht mir keinen Spaß. Dummerweise wurden die sportlichen Leistungen auch noch bewertet. Bewegung und Sport ist und war sicherlich gut, aber doch nicht auf Druck und Androhung von schlechten Noten? Egal, ich habe es über mich ergehen lassen und nur selten fand ich es toll. Ausreden gab es keine. 3.000 Meter rennen, Eisenkugeln durch die Luft schleudern oder über irgend welche Hindernisse springen - ich habe es schlicht gehasst.

Juhu, Schule geschafft, jetzt Berufsausbildung. Auch da gab es Schule. Und Sport. Unser Sportlehrer war ein fieser Prolet, zumindest hat er anfangs diesen Eindruck gemacht. Aber ich war mit meiner sportlichen Abneigung nicht allein; ich lernte Johnny kennen, er ist heute mein bester Freund. Und zusammen waren wir stark und widersetzten uns dem politisch vorgegebenen Lehrplan. Während andere im Schlamm Fußball spielten, durften wir uns beim Badminton vergnügen. Wir hatten sogar einen eigenen Balljungen! Als die anderen im Winter in der Schwimmhalle gequält wurden, saßen wir in der Stadt in einem Café oder bummelten durch die Geschäfte. Unser Sportlehrer - doch sehr liberal und verständnisvoll, hatte offiziell zwar etwas dagegen, aber Sanktionen gegen uns gab es nicht. Im Gegenteil, wir wurden wegen unserer "Willensstärke" geschätzt. Und die Benotung? Am Ende stand da eine "2". Alles Gut. Nun war die Qual vorbei.

Nach ein paar Jahren sportlicher Abstinenz kam in mir das Verlangen auf, etwas tun zu müssen. Ganz im Trend lagen damals die Fitness-Studios, wie es sie ja auch noch immer gibt. Viele Jahre, teilweise mit Unterbrechungen, schwitzte ich. Nebenbei war auch Laufen angesagt, obwohl mir das nicht so einen großen Spaß gemacht hat. Wenn schon draußen bewegen, dann doch lieber etwas langsamer und dabei die Natur genießen. Meine Begeisterung für das Wandern steigerte sich in den letzten Jahren derart, dass ich es vermisse, wenn ich mal zwei Wochen nicht draußen bin. Einfache Touren steigerten sich zu Mehrtageswanderungen und anspruchsvollen Bergtouren; die Überquerung der Alpen ist nur noch eine Frage der Zeit.


Als neue Leidenschaft - angestachelt von einigen Bergtouren - habe ich das Klettern entdeckt. Seit gut einem Jahr bin ich in der Vertikalen unterwegs, ob in der Halle oder draußen am Fels. Und es ist fast eine Sucht. Mindestens einmal pro Woche muss ich klettern, sonst fehlt mir etwas. Dass ich mich einmal in Karlsruhes zweitgrößtem Sportverein freiwillig und ehrenamtlich engagiere, hätte ich nie gedacht. Nicht nur mit der Verantwortung zur Pflege der Facebook-Seite bin ich mittlerweile so mit dem Sport verwurzelt, dass es über die normalen Aktivitäten hinausgeht. Ich habe sogar eine eigene Alpenvereins-E-Mailadresse ...  Hätte mir das jemand in der Schule prophezeit, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Denn Sportklettern geht ja wortwörtlich über das hinaus, was man im Sportunterricht so machen musste.

Wobei ... geklettert bin ich schon damals gut und gerne - an der Kletterstange :-)