Mittwoch, 28. Mai 2008

Schiller: Sehnsucht in Stuttgart

Gestern gab es nach Jarre und Onetwo ein weiteres Konzerthighlight für mich: Schiller live in Stuttgart. Ich kenne die CDs und DVDs, war aber noch nie auf einem Konzert von Christopher von Deylen & Co. Ganz am Anfang stand das Problem der Autobahn A8, denn irgendwie mussten wir ja von Karlsruhe nach Stuttgart kommen. Und wer die A8 kennt weiß, wovon ich rede. Schnell standen wir im Stau und es wurden weitere 12 km davon prohezeit. Also runter von der Autobahn und vom Navi durch die Pampa leiten lassen - und das hat auch wunderbar geklappt. Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn standen wir im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle.

Sehr schnell füllte sich die Halle weiter, alle Sitzplätze waren belegt und es gab auch keinen Platz mehr zum Stehen. Welch Wunder, dass wir eine recht gute Stehposition in der Mitte hatten. Und dann ging es los und es wurden die ersten Synthie-Sounds abgefeuert - und zwar im Surroundsound um unsere Kopfe herum. Das hat Jarre auch schon mal in Peking gemacht und ist wirklich ein tolles Erlebnis (doch etwas anders als mit der heimischen 5.1-Anlage). Der Sound insgesamt also spitzenmäßig, anfangs etwas leiser, aber zum Ende des Konzertes hat man selbst in den mittleren Reihen die Bässe als Luftzug gespürt. Die Lichtshow war gigantisch; im Bühnenhintergrund waren riesige LED-Displays angebracht, die teilweise die Lichteffekte machten und teilweise auch Filmsequenzen zeigten. Vier Scheinwerfertraversen waren beweglich und veränderten ab und zu ihre Position, was auch sehr monströs wirkte.

Als Opener wurde der aktuelle Titel "Sehnsucht" ausgewählt, der meiner Meinung nach nicht die Power verbreitete, die sonst die Opener bei Schiller haben. Es folgte ein Mix aus Titeln des aktuellen Albums und bekannten Klassikern, z.B. "Schiller", "Ruhe", "Das Glockenspiel" oder "Ein schöner Tag". Absolute Highlights waren für mich "Sommernacht" und eine neue Instrumentalversion von "Dream Of You", die sehr techno-lastig war. Klasse! Christopher war gut gelaunt und hatte Spaß, die beiden Drummer Cliff und Ralf ebenfalls und gaben ihr Bestes. Mickey und Tissy an den Gitarren waren eher etwas verhalten, erst zum Ende hin taute Tissy auf. Christian an den zweiten Keyboards feuerte regelmäßig das Publikum an und war in gewohnter Weise lässig und souverän.

Kein Schiller ohne Kim Sanders! Die wunderbare Kim verzauberte in vier Stücken das Publikum mit ihrer einzigartigen Stimme und einer tollen Performance. Neben Kim war auch wieder Jette von Roth dabei, zart und zerbrechlich und manchmal etwas zu leise, aber sehr passend. Neu dabei war Jael, die "Tired" performte. Sie wirkte sehr professionell und passt gut in die Reihe der Schiller-Gastmusiker. Das i-Tüpfelchen für mich wäre nur noch Heppner gewesen mit seinen beiden Songs - aber dafür gab es ja "Dream Of You" als neue Version.

Nach ca. zwei Stunden beendeten dann die kalkulierten Zugaben (drei Titel) das Konzert und Schiller bedankten sich beim Publikum. Was danach bleibt sind taube Ohren und ein sehr nachhaltiger Eindruck von einem Abend der Superlative.

Fotos gibt es diesmal nicht. Ich wollte das Konzert dort erleben und mich nicht aufs Fotografieren konzentrieren. Dafür haben mir dann andere Leute vor mir ständig ihre Mini-Displays vor die Nase gehalten ...

Ein weiteres Konzert der "Sehnsucht"-Tour gibt es im September in Karlsruhe, also praktisch vor meiner Haustür. Ich wäre dumm, wenn ich da nicht nochmals hingehen würde.

Onetwo (Claudia Brücken & Paul Humphreys) live in Frankfurt/Main

"Onetwo" kennt fast keiner. Aber jeder, der in den 80er Jahren aufgewachsen ist, kennt OMD und Propaganda. Und "Onetwo" ist praktisch eine Verschmelzung der beiden Gruppen, die maßgeblich den Sound der 80er prägten. Eine Verschmelzung sowohl musikalisch als auch menschlich, denn Claudia (früher bei Propaganda) und Paul (früher - und auch noch heute - bei OMD) sind auch privat liiert. Doch das soll hier nicht diskutiert werden.

Das erste Mal habe ich sie als Vorband von Erasure im letzten September gesehen und ich war schon damals begeistert von dieser Musik, die typische 80er Elemente hat, aber auch sehr, sehr moderne Sounds mitbringt. Paul als Soundtüftler leistet da ganze Arbeit und die unverwechselbare Stimme von Claudia, die übrigens auch schon bei anderen (Blank & Jones, Andy Bell) als Gastmusikerin aufgetreten ist, passt wie keine andere Stimme dazu.

Für gestern nun war ein Konzert in Frankfurt/Main angesagt. Natürlich habe ich mir sofort eine Karte afür besorgt - und nicht nur für mich, sondern auch für Marlen aus dem Erasure-Forum. Eine gute Gelegenheit, sich gleich mal persönlich kennenzulernen! Wir verabredeten uns zwar für 19 Uhr, aber nach mehreren Staus es ist dann doch eine Stunde später geworden. Und wir haben uns sogar gefunden und erkannt; Marlen brachte auch ihren Mann Klaus mit, der ebenfalls für diese Musik zu begeistern ist - schön.

Also Karten abgeholt und runter in den Clubkeller, in dem das Konzert stattfinden soll. Viel Besucher waren zuerst nicht da, aber nach und nach wurden es dann mehr. Als Vorband spielte "Psyche", auch rein elektronische Musik und das war auch gar nicht so schlecht. Auch wenn der Sänger nicht immer jeden Ton traf. Aber dafür ist es live. Und dann endlich .... Claudia und Paul mit Unterstützung von Philip und einem mir Unbekannten. Claudia sah sehr gut aus, besser als im letzten Jahr in München - und sie waren alle gut drauf und haben sich gefreut. Aber noch mehr haben wir uns gefreut, sie zu sehen. Wir standen ganz vorn und da das Konzert eher Clubatmosphäre hatte, war alles sehr persönlich. Die Stimmung schaukelte sich schnell hoch. Ganz normal, wenn so Klassiker wie "Dr. Mabuse", "Duel", "Electricity" und die Stücke des aktuellen Albums "Instead" kommen. Claudia war ruhig, fast konzentriert, Paul war in seinem Element und zauberte die tollsten Sounds. Nach ca. 1 1/2 Stunden war das Konzert vorbei und Claudia und Paul kamen noch zu ihren Fans. Dabei ist uns ein Foto gelungen, von dem wir wohl nur geträumt haben:

 
Sehen wir da nicht alle sehr glücklich aus? Marlen und Tom umrahmt von Claudia und Paul - Wahnsinn!
 
Es war einfach ein wundervoller Abend und ich bin jetzt noch ganz angetan. Tolle Musik, gute Stimmung und liebe Freunde. Was will man mehr?

Mehr Bilder von dem Konzert in diesem Album.

Sonntag, 18. Mai 2008

Bowlingabend

Dieses Wochenende stand ganz im Zeichen eines schönen Abends unter Freunden. Mit Jeni, Jin, Matze, Florian und Marco gings zum Bowlen und danach noch in die "Stadtmitte". Während bei allen irgendwann die Müdigkeit kam, fand Jeni kein Ende ...

Bilder dazu gibts in diesem Album.

Samstag, 17. Mai 2008

Jean Michel Jarre live in der Alten Oper in Frankfurt

Gestern nun war die Eröffnung meines persönlichen "Konzertfrühlings". Und wir wollen ja nicht kleckern, sondern klotzen und legen gleich rchtig los: Der Altmeister der elektronischen Musik Jean Michel Jarre in der altehrwürdigen Frankfurter Oper. Da weiß man von vornherein, dass es nicht so ein bombastisches Spektakel wie in Houston, Lyon, London, Paris, Peking .... wird. Nein, man beschränkt sich auf die Musik, nicht auf das drumherum. An sich schon mal ein guter Ansatz. Mein Platz in der 9. Reihe kostete satte 84 Euro. Der Meister ist eben teuer. Bevor das Konzert aber begann, traf ich noch Jens, den "Quizmaster" aus dem Erasure-Forum. Wir redeten kurz über alles mögliche, hauptsächlich über Jarre. Beim nächsten Erasure-Fanmeeting werden wir dann aber sicher mehr Zeit zum Quatschen haben.

Mit gut 15 Minuten Verspätung begann es dann. Die Einstimmungsmusik "Waiting For Cousteau" (ist gut gegen Kopfschmerzen) wurde ebenso wie das Licht im Saal abgeblendet und es herrschte eine Weile Dunkelheit. Dann wurde ein weißer Plastiksessel, der mit der Rückseite zum Publikum stand, angestrahlt und es ertönte "Guten Abend! Good Evening!" und aus dem Sessel sprang Herr Jarre heraus. Er war voller Tatendrang und wirklich gut drauf. So nah am Publikum ist er ja nicht wirklich häufig. Er erzählte uns dann etwas über "Oxygene" und dessen Neueinspielung und dass er sich freut, in Frankfurt sein zu können - einer Stadt, die für die elektronische Musik wichtig war. Weiter erzählte er etwas über seine alten Synthesizer, und die waren wirklich sehenswert. Ich meine, ich habe noch nie ein Modularsystem von Moog in Natur gesehen, gestern schon. Wow! Gleichzeitig warnte er uns aber auch vor seinen "alten Ladies", da diese manchmal zicken und Unfälle passieren können - diese will er aber dann mit uns (dem Publikum) gemeinsam erleben. So witzig das auch klingen mag: bei einem seiner letzten Konzerte (glaube in der Royal Albert Hall in London) gab der MomoryMoog seinen Geist auf. Er stellte nun noch seine drei Mitstreiter Perrier, Rimbert und Samard vor, von denen die ersten beiden bereits bei seinen ersten Konzerten unterstützend dabei gewesen sind.
 
Nun begann endlich das Konzert und die ersten elektronisch erzeugten Töne wurden in das Publikum gestreut. Man begann mit einem kurzen Tuning der Instrumente, denn analoge Synthesizer klingen jeden Tag anders und verlieren gerne mal die richtige Stimmung. Sehr beeindruckend, die alten Synthies in dieser Lautstärke zu hören. Und es war sehr laut, streckenweise taten mir sogar die Ohren pfeifen. Rein optisch war es weniger spektakulär, aber nichtsdestotrotz interessant. Man arbeitete viel mit Licht, weniger mit Projektionen (völlig Jarre-untypisch). Die Herren konzentrierten sich tatsächlich auf das Wesentliche. Fein. Und noch was Jarre-untypisches: der Meister spielte wirklich live und freute sich wie ein kleines Kind nach jedem Stück, dass alles so gut geklappt hat. Grausam nur war sein Part am Theremin. Nein, das kann er nicht wirklich spielen. Was er da gemacht hat, kann ich auch! Trotzdem bekam er dafür Applaus - wahrscheinlich deswegen, weil er endlich damit aufgehört hat. Jarre spielte also sein "Oxygene" komplett mit einigen neuen Zwischenstücken und es klang nicht immer so, wie auf dem Studioalbum, das ist ganz klar. Ich vermute aber, dass man als Zuhörer schon das Gesamtwerk im Ohr haben muss, um den Klängen folgen zu können. Jemand, der vorher noch nie das Album gehört hat, wäre sicher enttäuscht gewesen.

Mein persönliches Highlight war der goße Spiegel, der von der Decke gelassen und in einem Winkel von ca. 45 ° zum Publikum gestellt wurde, so dass man die Bühne von oben betrachten konnte. Mein Interesse an dem Konzert war ja eh nur zur Hälfte musikalisch motiviert, der Rest war technische Neugier. Und die wurde mit diesem Spiegel mehr als befriedigt. Was man sonst von vorn nicht sehen konnte, sah man nun aus einer genialen Perspektive. So viele alte Synthies ... einfach beeindruckend!

Pannen bei der alten Technik sind ausgeblieben, nur der ARP 2600 war etwas verstimmt. Das Publikum war begeistert und zollte dem alten Meister genügend Respekt und Anerkennung - vielleicht nicht unbedingt für das, was er an diesem Abend gemacht hat, so aber für sein Lebenswerk im Ganzen. Jarre hat es genossen und fühlte sich sehr wohl - eine ideale Stimmung für ein Konzert, welches seinen Preis wert war. Man muss sich das mal vorstellen: Da vorn auf der Bühne, nur wenige Meter entfernt, steht der Mann, der die elektronische Musik salonfahig gemacht hat und an dem sich Generationen von Musikern orientiert haben und weiterhin orientieren! So auch Schiller und Onetwo - und dies sind die beiden nächsten Events meines "Konzertfrühlings".