Samstag, 26. November 2011

Ein Abend im Zen-Dojo Karlsruhe

Schon lang hatte ich es mir vorgenommen. Gestern nun konnte ich einen Abend im Zen-Dojo Karlsruhe erleben. Seit einiger Zeit betreibe ich mehr oder weniger regelmäßig die Praxis des Zen, das Zazen. Das ist nichts weiter als in einer "typisch meditativen" Körperhaltung zu sitzen und zu versuchen, konzentriert den Geist zu befreien, damit dieser zum eigentlichen Ursprung zurückkommen kann. Das Zazen wird im Zen-Buddhismus praktiziert. In allen Linien des Buddhismus stellt die Meditation die zentrale Rolle dar; jedoch unterscheiden sich die Inhalte der Meditation voneinander. Beim Zazen ist der Kopf leer, man denkt an nichts.

Das klingt relativ einfach. Doch wer einmal versucht hat, ganz bewusst an nichts zu denken, weiß wie schwer das ist. Diese Form der Meditation kann sehr anstrengend sein - nicht nur für den Geist, sondern auch für den Körper. Unabdingbar ist eine korrekte Haltung: gekreuzte Beine (am besten im vollen Lotussitz), gerader Rücken, die Hände liegen vor dem Körper ineinander. Für ein paar Minuten mag man das gut aushalten können; längere Sitzungen fordern dem Körper hingegen viel ab.

Der gestrige Abend im Zen-Dojo begann mit einer knapp einstündigen Einführung in das Zazen und dem Verhalten im Dojo. Dojo ist der Raum oder klar abgegrenzte Teil eines Raumes, in dem das Zazen praktiziert und gelehrt wird. Hier gelten relativ strenge Regeln, wie man sich zu bewegen hat. So ist das Hineingehen in das Dojo und das Einnehmen seines Platzes klar vorgeschrieben. Die drei anderen Interessenten, die außer mir da waren, und ich fanden das alles sehr spannend. Weiterhin wurde uns auch das Kinhin erklärt, die Gehmeditation. Auch diese wird im Zen-Dojo praktiziert.

Bei der Einführung erfuhr ich, dass die Karlsruher Zen-Gemeinschaft nicht starr organisiert ist. Zwar gibt es einen Verein, der das Dojo betreut und die Übungen organisiert, jedoch kann jeder regelmäßig bzw. ständig  zu den Übungszeiten teilnehmen, ohne dass er dem Verein beitritt. Diese Zwanglosigkeit, die ja auch irgendwie für die Einfachheit des Zen steht, war mir sofort sympathisch.

Kurz vor 20 Uhr kamen nun noch ein paar andere dazu, die ganz offensichtlich sehr regelmäßig im Dojo sind. Man begrüßte sich wortlos nickend. Vom Treppenhaus klangen hölzerne Schläge, die zum Einnehmen eines Platzes aufforderten. Als alle bereit waren, erklang noch ein Ton von einer Klangschale und dann war Zazen angesagt - und zwar 35 Minuten lang. Es herrschte völlige Stille. Das war für mich sehr ungewohnt, denn es waren ja ca. zehn Personen im Raum - man hat sie kaum atmen gehört. Nach ungefähr der Hälfte der Zeit meldete sich mein Rücken, so dass ich meine Haltung etwas korrigieren musste. Ganz klar, es war anstrengend und ich hatte Befürchtungen, dass ich es nicht bis zum Ende durchstehen könnte. Beim Zazen zu Hause hätte ich einfach aufgehört - aber in der Gemeinschaft im Dojo will man die anderen natürlich nicht stören. Nach den 35 Minuten Zazen ertönten zwei Schläge von der Klangschale und läuteten das Kinhin ein. Die Gehmeditation dauerte nur fünf Minuten. Wieder ein Schlag und es folgten erneut 35 Minuten Zazen. Obwohl mein Rücken eigentlich am Limit war, fand ich die zweiten 35 Minuten nicht mehr so anstrengend. Trotzdem war ich froh, als mit zwei Schlägen das Zazen beendet wurde. Nun rezitierten einige ein Sutra; dies empfand ich als etwas befremdlich - war es doch das viele "Drumherum", was mich von der Praxis des tibetischen Buddhismus abschreckte. Aber gut, ganz ohne geht es dann wohl doch nicht. Nach dem Sutra erfolgten drei Verbeugungen und das Dojo wurde geordnet verlassen.

Für mich war der Abend ohne Frage eine große Erfahrung. Vor allem, weil ich mir bisher nicht wirklich vorstellen konnte, wie Zazen in der Gemeinschaft mit mehreren Personen praktiziert wird. Ich werde das Zazen wie bisher nach wie vor zu Hause durchführen, dem Dojo jedoch hin und wieder einen Besuch abstatten, um mit der Gemeinschaft zu üben.

Sonntag, 20. November 2011

Zwei Konzerte - ein kurzer Rückblick

Auch wenn es schon ein paar Tage her ist, so will ich noch über zwei Konzerte einige Worte verlieren. Leider bin ich nicht eher dazu gekommen, da ich derzeit beruflich sehr eingespannt bin.

Das erste Konzert ist das zweite Jarre-Konzert für mich in diesem Jahr, diesmal in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt am 09.11.2011. Dafür habe ich mir drei Tage Urlaub genommen und das gleich mit einem Besuch bei meinen Eltern verbunden. Eigentlich wollten sie ja auch mit zum Konzert und ich hatte drei Karten mit wirklich wunderbaren Sitzplätzen. Da es aber meiner Mutter nicht gut ging, bin ich allein von Meerane nach Erfurt gefahren (die beiden Karten habe ich ersetzt bekommen - ich hatte zum Glück eine Ticketversicherung abgeschlossen).

Schon die ca. 100 km Fahrt nach Erfurt auf der A4 war ein kleines Abenteuer, denn es war richtig dick Nebel. Irgendwann kam ich dann an der Messehalle an, parkte mein Auto und ging frierend in die Halle. Ein paar Butterbrezeln stärkten mich (es waren glaube drei oder vier) und dann ging ich auch schon zu meinem Platz. Was dann kam, kannte ich nun fast auswendig - immer der gleiche Ablauf. Es war aber schön, Monsieur Jarre ein weiteres Mal live zu erleben. Und er hatte sogar ein neues Instrument auf der Bühne, eine Art "Mini-Laserharfe", die er in verschiedenen Stücken einsetzte. Im Gegensatz zur großen Laserharfe arbeitete diese nicht nach den Prinzip der Strahlenreflektion, sondern der Unterbrechung. Allerdings sah man das Teil nur von den vorderen Plätzen aus (nein, das Bild zeigt die große Laserharfe ...).


Die Stimmung im Publikum war bei dem Konzert richtig mies. Nur sehr wenige (ich eingeschlossen) standen auf und machten irgendwie mit. Der Rest blieb sitzen und machte ein ernstes Gesicht. Wirklich schade. Aber ich genoss einfach das für mich letzte Jarre-Konzert in diesem Jahr.

Das zweite Konzert, von dem ich kurz berichten will, war dann zwei Tage später in Stuttgart. Erasure - einst meine Lieblingsband; doch auch heute höre ich sie noch sehr gerne. Auch wenn mir die Stücke vom neuen Album nicht wirklich gefallen; hier hat Erasure irgend etwas von ihrem Stil aufgegeben.

Auch auf dem Weg in den Hegelsaal der Liederhalle war es kalt und windig. Diesmal war ich aber nicht allein, Marco war auch mit dabei. Der Sall war relativ klein und es war klar, dass mit nicht wirklich vielen Leuten gerechnet wurde. Die großen Zeiten von Erasure sind halt leider vorbei. Doch zuvor gab es eine Sängerin aus Berlin, die nur mit ihrer Stimme und ihrer Akkustikgitarre das Publikum auf Betriebstemperatur bringen wollte. Einige hat sie wohl wirklich mitgezogen, doch ich fand es einfach grauslich. Sie sang nicht, nein, sie schrie. Und sie fand kein Ende. Nach gefühlten zehn Stücken und beginnendem Ohrenkrebs verabschiedete sie sich endlich. Auf der Bühne begannt nun wieder ein Gewerkel wo ich mich frage, ob man das nicht schon alles vor dem Konzert hätte tun können. Irgendwann gegen 21 Uhr gings dann endlich los. Und ich habe mich sehr gefreut, Andy und Vince wieder so lebendig sehen zu können.

Die Songauswahl war gelungen - viele bekannte Klassiker und einige Stücke vom neuen Album, die live gar nicht so schlecht rüberkamen. Andy machte zwischen den Stücken oft witzige Bemerkungen und er bemühte sich, komplett in Deutsch zu sprechen. Auch sah er besser aus als noch vor zwei Jahren. Leider ging das Konzert nicht so sehr lang, offenbar verlangt es einfach sehr viel von ihm ab.


Unübertroffen war die Stimmung. Scheinbar waren nur bekennende Erasure-Fans anwesend und das hörte man. Ich war über mich selbst erstaunt, wie textsicher ich doch bei allen Liedern war. Naja, wenn man so gefordert wird, ist man zu Höchstleistungen fähig ;-)  Marco hat es auch gefallen, obwohl er nicht so mitsingen konnte. Ob es das letzte Erasure-Konzert war, kann wohl niemand sagen. Ich hoffe, dass die Beiden noch einmal auf Tour gehen werden.

Bei beiden Konzerten habe ich die Kamera meines neuen iPhone 4s ausprobiert. Leider macht das Ding nur Fotos im Format 4:3 und auch die Schärfe ist nicht so toll. Naja, beim nächsten Konzert werde ich wieder meiner Lumix vertrauen.

Dienstag, 1. November 2011

Jean Michel Jarre in Frankfurt

Gestern Abend in der Festhalle der Main-Metropole: Fast ausverkauftes Haus für einen Mann - Jean Michel Jarre.

Bereits im Frühjahr letzten Jahres tourte er durch verschiedene Hallen Deutschland und auch in diesem Herbst ist er wieder hier. Ich wollte mir das natürlich nicht entgehen lassen, auch wenn ich ihn im letzten Jahr drei Mal live gesehen habe und auch wenn die Karte stolze 90 Euro kostet. Zu gespannt war ich auf die Änderungen der Setlist, die er ankündigte.

Wie auch damals kam er wieder vom hinteren Bereich der Halle nach vorn auf die Bühne und lief an den Besuchern vorbei. Und wie damals in Leipzig kam er an mir vorbei und begrüßte auch mich mit Handschlag.


Bühnenbild und Licht/Laser waren so wie im letzten Jahr, ich denke da nur an den überdimensionalen imaginären Synthesizer bei Equinoxe 6, an die schönen Laser bei Equinoxe 4, an die Live-Kameraeinspielungen bei einigen Stücken usw. Der Sound war ganz ordentlich, auch wenn meiner Meinung nach am Anfang fast etwas zu laut. Bei seinen Klangexperimenten erreichte er oftmals Frequenzen, die im Bereich der Eigenresonanz meines Körpers lagen - das ging dann schon richtig durch die Knochen.


Und die Änderungen an der Setlist? Es gab on der Tat welche, auch wenn diese auf Kosten einiger schöner Stücke gingen, z.B. Magnetic Fields 1, Chronologie 6 und Industrial Revolution 2. Dafür gab es aber Entschädigung: Chronologie 1, was leider irgendwo mittendrin gespielt wurde anstatt es als Opener zu verwendet (in meinen Augen ist es DER perfeke Opener für eine Show), Industrial Revolution 3 und in der Zugabe Teo & Tea und Vintage. Spätestens bei diesen beiden Stücken im Techno-Style tobten die Besucher und waren mittendrin. Denn anders als bisher durften ab dem zweiten Drittel des Konzerts die feiernden Menschen bis vor zur Bühne - niemand musste mehr auf seinen Plätzen bleiben. Wahrscheinlich ein Albtraum für die Security ...


Begleitet wurde er von Francis, Claude und Jerome und gerade letzterer hatte sichtliche Freude daran, die Melodien mit kleinen Spielereien zu spicken.

Nächste Woche werde ich das gleiche dann noch einmal erleben - in Erfurt :-)